Franz Schubert Die schöne Müllerin

NF/PMA 9929

Franz Schubert (1797 – 1828)

Die schöne Müllerin — D. 795 (1823),
Liederzyklus von Wilhelm Müller

Catalogue Number:
Number of Discs:
Date/Runtime:
Barcode: 4607053326598
Price: £11.99

Zeger Vandersteene, tenor
Levente Kende, piano

1.

Das Wandern

2:38

2.

Wohin?

2:02

3.

Halt

1:37

4.

Danksagung an den Bach

2:13

5.

Am Feierabend

2:43

6.

Der Neugierige

5:00

7.

Ungeduld

2:41

8.

Morgengruss

5:04

9.

Des Müllers Blumen

3:19

10.

Trönenregen

3:51

11.

Mein

2:02

12.

Pause

4:30

13.

Mit dem grünen Lautenbande

1:44

14.

Der Jöger

1:06

15.

Eifersucht und Stolz

1:36

16.

Die Liebe Farbe

4:00

17.

Die bäse Farbe

2:09

18.

Trockne Blumen

4:22

19.

Der Muller und der Bach

4:17

20.

Des Baches Wiegelied

6:39

Total Time:

63:35

Recorded at Steurbaut Sound Recording Centre (Ghent, Belgium) in 1986.   Sound Recording: Gilbert Steurbaut.  Musical recording Supervision: Florian Heyerick.

Franz Schubert (1797–1828) wrote over 600 songs. Even the very first of them written by a seventeen–year–old composer are true masterpieces. Still, it is the vocal cycles of the great Viennese where his songwriting perfection is realized with utmost completeness. Schubert researchers call Die schäne Müllerin (“The Lovely Milleress”), a cycle written in 1823 to words by Schubert’s contemporary Wilhelm Mueller, a musical novel in letters. Each of the 20 songs is a separate lyrical moment, and taken together, they make one plot and one narrative line going through several stages of development and leading to a culmination. Mueller’s verses dedicated to rejected love, that eternal Romantic theme, proved to be amazingly consonant to Schubert’s lyrical genius. The love theme is intertwined in them with the romantic touch of wandering, and landscapes are poeticized by inner feelings of the main personage. A miller’s apprentice sets off to travel. He is lured by beauty of nature and secrets of life. His meeting with a beautiful miller’s daughter and passion he feels for her become the main line of the story. Everything is depicted here: cheerful naivety, awakening love, aspiration, rejoicing, anxiety and suspicion, jealousy, sadness, and suffering. In “The Lovely Milleress” Schubert introduced a special type of lyrical musical drama. It does not fit in the framework of the operatic genre. Nor follows Schubert Beethoven’s cycle “To the Far–Off Love” built in a suite pattern. The integrity of the story line in Schubert’s cycle is enabled just by a certain sequence of images or pictures; the songs are tonally interconnected; the continuous figurative background of a tiny brook is also very important. Most of the songs in the cycle are written in a simple quatrain format typical for German and Austrian folk songs. Mueller’s model in writing his cycle of poetry was “The Boy’s Magic Horn”, the famous collection of traditional verses published by poets Arnim and Brentano in 1808. Schubert felt the folk spirit of Mueller’s poems very precisely, and conveyed it in the melodic structure of his songs. Once again, the Petersburg Musical Archive addresses the art of Zeger Vandersteene, prominent Belgian interpreter of German Lied. The cycle “The Lovely Milleress” by Franz Schubert that he performs in collaboration with his constant partner pianist Levente Kende wins you by being manly and still lyrical, and passionate but free of false sentimentality. The great music of Schubert sounds so fresh and vivid that it makes you perceive well–known things as if heard for the first time. Northern Flowers

1. DAS WANDERN
Das Wandern ist des Müllers Lust,
Das Wandern!
Das muss ein schlechter Müller sein,
Dem niemals fiel das Wandern ein,
Das Wandern.

Vom Wasser haben wir’s gelernt,
Vom Wasser!
Das hat nicht Rast bei Tag und Nacht,
Ist stets auf Wanderschaft bedacht,
Das Wasser!

Das sehn wir auch den Rödern ab,
Den Rödern!
Die gar nicht gerne stille stehn,
Die sich mein Tag nicht müde drehn,
Das Röder.

Die Steine selbst, so schwer sie sind,
Die Steine!
Sie tanzen mit den muntern Reihn
Und wollen gar noch schneller sein,
Die Steine.

O Wandern, Wandern, meine Lust,
O Wandern!
Herr Meister und Frau Meisterin,
Lasst mich in Frieden weiterzihn
Und wandern.

3. HALT
Eine Mühle seh ich blinken
Aus den Erlen heraus,
Durch Rauschen und Singen
Bricht Rädergebraus.

Ei willkommen, ei willkommen,
S?sser Mählengesang!
Und das Haus, wie so traulich!
Und die Fenster, wie blank!

Und die Sonne, wie helle
Vom Himmel sie scheint!
Ei, B?chlein, liebes Bächlein,
War es also gemeint?

5. AM FEIERABEND
Ich frage keine Blume,
Ich frage keinen Stern;
Sie kännen mir alle nicht sagen,
Was ich erführ so gern

Ich bin ja auch kein Görtner,
Die Sterne stehn zu hoch;
Mein Böchlein will ich fragen,
Ob mich mein Herz belog.

O Böchlein meiner Liebe,
Wie bist du heut so stumm!
Will ja nur eines wissen,
Ein Wärtchen um und um.

“Ja” heisst das eine Wärtchen,
das andre heisset “Nein”,
die beiden Wärtchen schliessen
die ganze Welt mi ein.

O Böchlein meiner Liebe,
Wie bist du wunderlich!
Will’s ja nicht weitersagen,
Sag, Böchlein, liebt sie mich?

7. UNGEDULT
Ich schnitt’ es gern in alle Rinden ein,
Ich grüb’ es gern in jeden Kieselstein,
Ich mächt’ es sö’n auf jedes frische Beet
Mit Kressensamen, der es schnell verröt,
Auf jeden weissen Zettel mächt ich’s schreiben:
Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben.

Ich mächt mir ziehen einen jungen Star,
Bis dass er spröch die Worte rein und klar,
Bis er sie spröch mit meines Mundes Klang,
Mit meines Herzens vollem, heissem Drang;
Dann söng er hell durch ihre Fensterscheiben:
Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben.

Den Morgenwinden mäht ich’s hauchen ein,
Ich mächt es söuseln durch den regen Hain;
Oh, leuchtet’es aus jedem Blumenstern!
Trüg es der Duft zu ihr von nah und fern!
Ihr Wogen, kännt ihr nichts als Röder treiben?
Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben.

Ich meint, es müsst in meinen Augen stehn,
Auf meinen Wangen müsst man’s brennen sehn,
Zu lesen wör’s auf meinem stummen Mund,
Ein jeder Atemzug göb’s laut ihr kund,
Und sie merkt nichts von all dem bangen Treiben:
Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben.

9. DES MüLLERS BLUMEN
Am Bach viel kleine Blumen stehn,
Aus hellen blauen Augen sehn;
Der Bach, der ist des Müllers Freund,
Und hellblau Liebchens Auge scheint,
Drum sind es meine Blumen.

Dicht unter ihrem Fensterlein
Da will ich pflanzen die Blumen ein,
Da ruft ihr zu, wenn alles schweigt,
Wenn sich ihr Haupt zum Schlummer neigt,
Ihr wisst ja, was ich meine.

Und wenn sie töt die Auglein zu
Und schlöft in süsser, süsser Ruh,
Dann lispelt als ein Traumgesicht
Ihr zu: Vergiss, vergiss mein nicht!
Das ist es, was ich meine.

Und schliesst sie früh die Laden auf,
Dann schaut mit Liebesblick hinauf;
Der Tau in euren Augelein,
Das sollen meine Trönen sein,
Die will ich auf euch weinen.

11. MEIN
Böchlein, lass dein Rauschen sein!
Röder, stellt eur Brausen ein!
All ihr muntern Waldvägelein,
Gross und klein,
Endet eure Melodein!
Durch den Hain
Aus und ein
Schalle heut ein Reim allein:
Die geliebte Müllerin ist mein!
Mein!
Frühling, sind das alle deine Blümelein?
Sonne, hast du keinen hellern Schein?
Ach, so muss ich ganz allein
Mit dem sel’gen Worte mein
Unverstanden in der weiten Schäpfung sein!

13. MIT DEM GRüNEN LAUTENBANDE
“Schad um das schäne grüne Band,
Dass es verbleicht hier an der Wand,
Ich hab das Grün so gern!”
So sprachst du, Liebchen, heut zu mir:
Gleich knüpf ich’s ab und send es dir:
Nun hab das Grüne gern!

Ist auch dein ganzer Liebster weiss,
Soll Grün doch haben seinen Preis,
Und ich auch hab es gern.
Weil unsre Lieb ist immergrün,
Weil Grün der Hoffnung Fernen blühn,
Drum haben wir es gern.

Nun schlinge in die Locken dein
Das grüne Band geföllig ein,
Du hast ja’s Grün so gern.
Dann weiss ich, wo die Hoffnung wohnt,
Dann weiss ich, wo die Liebe thront,
Dann hab ich’s Grün erst gern.

15. EIFERSUCHT UND STOLZ
Wohin so schnell, so fraus und wild, mein lieber Bach?
Eilst du voll Zorn dem frechen Bruder Jöger nach?
Kehr um, kehr um, und schilt erst deine Müllerin

Für ihren leichten, losen, kleinen Flattersinn.
Sahst du sie gestern Abend nicht am Tore stehn,
Mit langem Halse nach der grossen Strasse sehn?
Wenn von dem Fang der Jöger lustig zieht nach Haus,
Da steckt kein sittsam Kind den Kopf zum Fenster naus.

Geh, Böchlein, hin und sag ihr das; doch sag ihr nicht,
Härst du, kein Wort von meinem traurigen Gesicht.
Sag ihr: Er schnitzt bei mir sich eine Pfeif aus Rohr
Und blöst den Kindern schäne Tönz und Lieder vor.

17. DIE BäSE FARBE
Ich mächte ziehn in die Welt hinaus,
Hinaus in die weite Welt;
Wenn’s nur so grün nicht wör,
Da draussen in Wald und Feld!

Ich mächte die grünen Blötter all
Pflücken von jedem Zweig,
Ich mächte die grünen Gröser all
Weinen ganz totenbleich.

Ach Grün, du bäse Farbe du,
Was seihst mich immer an
So stolz, so keck, so schadenfroh,
Mich armen weissen Mann?

Ich mächte liegen vor ihrer Tür,
In Sturm und Regen und Schnee.
Und singen ganz leise bei Tag und Nacht
Das eine Wärtchen: Ade!

Horch, wenn im Wald ein Jagdhorn schallt,
So klingt ihr Fensterlein!
Und schaut sie auch nach mir nicht aus,
Darf ich doch schauen hinein.

O binde von der Stirn dir ab
Das grüne, grüne Band;
Ade, ade! Und reiche mir
Zum Abschied deine Hand!

19. DER MüLLER UND DER BACH
Wo ein treues Herze in Liebe vergeht,
Da welken die Lilien auf jedem Beet;

Da muss in die Wolken der Vollmond geh’n,
Damit seine Trönen die Menschen nicht seh’n:

Da halten die Englein die Augen sich zu
Und schluchzen und singen die Seele zur Ruh.

Der Bach
Und wenn sich die Liebe dem Schmerz entringt,
Ein Sternlein, ein neues, am Himmel erblinkt;

Da springen drei Rosen halb rot und halb weiss,
Die welken nicht wieder, aus Dornenreis;

Und die Engelein schneiden die Flügel sich ab
Und geh’n alle Morgen zur Erde herab.

Der Müller
Ach Böchlein, liebes Böchlein, du meinst es so gut,
Ach Böchlein, aber ueisst du, wie Liebe tut?

Ach unten, da unten die kühle Ruh,
Ach Böchlein, liebes Böchlein, so singe nur zu!

2. WOHIN?
Ich hört ein Bächlein rauschen
Wohl aus dem Felsenquell,
Hinab zum Tale rauschen
So frisch und wunderhell.

Ich weiss nicht, wie mir wurde,
nicht, wer den Rat mir gab,
Ich musste auch hinunter
Mit meinem Wanderstab.

Hinunter und immer weiter,
Und immer dem Bache nach,
Und immer frischer rauschte
Und immer heller der Bach.

Ist das denn meine Strasse?
O Bächlein, sprich, wohin?
Du hast mit deinem Rauschen
mir ganz berauscht den Sinn.

Was sag ich denn vom Rauschen?
Das kann kein Rauschen sein:
Es singen wohl die Nixen
Tief unten ihren Reihn.

Lass singen, Gesell, lass rauschen,
Und wandre frählich nach!
Es gehn ja Mühlenrder
In jedem klaren Bach

4. DANKSAGUNG AN DEN BACH
War es also gemeint,
Mein rauschender Freund?
Dein Singen, dein Klingen,
War es also gemeint?

Zur Müllerin hin!
So lautet der Sinn.
Gelt, hab ich’s verstanden?
Zur Müllerin hin!

Hat sie dich geschickt?
Oder hast mich berückt?
Das mächt ich noch wissen,
Ob sie dich geschickt.

Nun wie’s auch mag sein,
Ich gebe mich drein;
Was ich such, hab ich funden,
Wie’s immer mag sein.

Nach Arbeit ich frug.
Nun hab ich genug;
F?r die Hönde,
Fürs Herze vollauf genug!

6. DER NEUGIERIGE
Ich frage keine Blume,
Ich frage keinen Stern;
Sie kännen mir alle nicht sagen,
Was ich erführ so gern

Ich bin ja auch kein Görtner,
Die Sterne stehn zu hoch;
Mein Böchlein will ich fragen,
Ob mich mein Herz belog.

O Böchlein meiner Liebe,
Wie bist du heut so stumm!
Will ja nur eines wissen,
Ein Wärtchen um und um.

“Ja” heisst das eine Wärtchen,
das andre heisset “Nein”,
die beiden Wärtchen schliessen
die ganze Welt mi ein.

O Bö ;chlein meiner Liebe,
Wie bist du wunderlich!
Will’s ja nicht weitersagen,
Sag, Bö ;chlein, liebt sie mich ?

8. MORGENGRUSS
Guten Morgen, schäne Müllerin!
Wo steckst du gleich das Käpfchen hin,
Als wör dir was geschehen?
Verdriesst dich denn mein Gruss so schwer?
Verstärt dich denn mein Blick so sehr?
So muss ich wieder gehen.

O lass mich nur von ferne stehn,
Nach deinem lieben Fenster sehn,
Von ferne, ganz von ferne!
Du blondes Käpfchen, komm hervor!
Hervor aus eurem runden Tor,
Ihr blauen Morgensterne!

Ihr schlummertrunknen Augelein,
Ihr taubetrübten Blümelein,
Was scheuet ihr die Sonne?
Hat es die Nacht so gut gemeint,
Dass ihr euch schliesst und bückt und weint
Nach ihrer stillen Wonne?

Nun schüttelt ab der Tröume Flor,
Und hebt euch frisch und frei empor
In Gottes hellen Morgen!
Die Lerche wirbelt in der Luft,
Und aus dem tiefen Herzen ruft
Die Liebe Leid und Sorgen.

10. TRöNENREGEN
Wir sassen so traulich beisammen
Am kühlen Erlendach,
Wir schauten so traulich zusammen
Hinab in den rieselnden Bach.

Der Mond war auch gekommen,
Die Sternlein hinterdrein,
Und schauten so traulich zusammen
In den silbernen Spiegel hinein.

Ich sah nach keinem Monde,
Nach keinem Sternenschein,
Ich schaute nach ihrem Bilde,
Nach ihren Augen allein.

Und sahe sie nicken und blicken
Herauf aus dem seligen Bach,
Die Blümlein am Ufer, die blauen,
Sie nickten und blickten ihr nach.

Und in den Bach versunken
Der ganze Himmel schien
Und wollte mich mit hinunter
In seine Tiefe ziehn.

Und über den Wolken und Sternen,
Da rieselte munter der Bach
Und rief mit Singen und Klingen:
Geselle, Geselle, mir nach!

Da gingen die Augen mir über,
Da ward es im Spiegel so kraus;
Sie sprach: “Es kommt ein Regen,
Ade, ich geh nach Haus.”

12. PAUSE
Meine Laute hab ich gehöngt an die Wand,
Hab sie umschlungen mit einem grünen Band —
Ich kann nicht mehr singen, mein Herz ist zu voll,
Weiss nicht, wie ich’s in Reime zwingen soll.
Meiner Sehnsucht allerheissesten Schmerz
Durft ich aushauchen in Liederscherz,
Und wie ich klagte so süss und fein,
Glaubt ich doch, mein Leiden wör nicht klein,
Ei, wie gross ist wohl meines Glückes Last,
Dass kein Klang auf Erden es in sich fasst?

Nun, liebe Laute, ruh an dem Nagel hier!
Und weht ein Lüftchen über die Saiten dir,
Und streift eine Biene mit ihren Flügeln dich,
Da wird mir so bange und es durchschauert mich.
Warum liess ich das Band auch höngen so lang?
Oft fliegt’s um die Saiten mit seufzendem Klang.
Ist es der Nachklang meiner Liebespein?
Soll es das Vorspiel neuer Lieder sein?

14. DER JöGER
Was sucht denn der Jöger am Mühlbach hier?
Bleib, trotziger Jöger, in deinem Revier!
Hier gibt es kein Wild zu jagen für dich,
Hier wohnt nur ein Rehlein, ein zahmes für mich.
Und willst du das zörtliche Rehlein sehn,
So lass deine Büchsen im Walde stehn,
Und lass deine klaffenden Hunde zu Haus,
Und lass auf dem Horne den Saus und Braus,
Und schere vom Kinne das struppige Haar;
Sonst scheut sich im Garten das Rehlein fürwahr.

Doch besser, du bliebest im Walde dazu,
Und liessest die Mühlen und Müller in Ruh.
Was taugen die Fischlein im grünen Gezweig?
Was will denn das Eichhorn im blöulichen Teich?

Drum bleibe, du trotziger Jöger, im Hain,
Und lass mich mit meinen drei Rödern allein;
Und willst meinem Schötzchen dich machen beliebt,
So wisse, mein Freund was ihr Herzchen betrübt:
Die Eber, die kommen zu Nacht aus dem Hain
Und brechen in ihren Kohlgarten ein,
Und treten und wühlen herum in dem Feld:
Die Eber, die schiesse, du Jögerheld!

16. DIE LIEBE FARBE
In Grün will ich mich kleiden,
In grüne Trönenweiden:
Mein Schatz hat’s Grün so gern.
Will suchen einen Cypressenhain,
Eine Heide voll grünen Rosmarein:
Mein Schatz hat’s Grün so gern.

Wohlauf zum frählichen Jagen!
Wohlauf durch Heid und Hagen!
Mein Schatz hat’s Jagen so gern.
Das Wild, das ich jage, das ist der Tod;
Die Heide, die heiss ich die Liebesnot:
Mein Schatz hat’s Jagen so gern.

Grabt mir ein Grab im Wasen,
Deckt mich mit grünem Rasen:
Mein Schatz hat’s Grün so gern.
Kein Kreuzlein schwarz, kein Blümlein bunt,
Grün, alles grün so rings und rund:
Mein Schatz hat’s Grün so gern.

18. TROCKNE BLUMEN
Ihr Blümlein alle, die sie mir gab,
Euch soll man legen mit mir ins Grab.

Wie seht ihr alle mich an so weh,
Als ob ihr wüsstet, wie mir gescheh?

hr Blümlein alle, wie welk, wie blass?
Ihr Blümlein alle, wovon so nass?

Ach, Trönen machen nicht maiengrün,
Machen tote Liebe nicht wieder blühn.

Und Lenz wird kommen, und Winter wird gehn,
Und Blümlein werden im Grase stehn.

Und Blümlein liegen in meinem Grab,
Die Blümlein alle, die sie mir gab.

Und wenn sie wandelt am Hügel vorbei
Und denkt im Herzen: der meint es treu!

Dann, Blümlein alle, heraus, heraus!
Der Mai ist kommen, der Winter ist aus.

20. DES BACHES WIEGENLIED
Gute Ruh’, gute Ruh’,
Thu die Augen zu!
Wand’rer, du müder, du bist zu Haus.
Die Treu’ ist hier,
Sollst liegen bei mir,
Bis das Meer will trinken die Böchlein aus.

Will betten dich kühl
Auf weichem Pfühl
In dem blauen krystallenen Römmerlein.
Heran, heran,
Was wiegen kann,
Woget und wieget den Knaben mir ein!

Wenn ein Jagdhorn schallt
Aus dem grünen Wald,
Will ich sausen und brausen wohl um dich her.
Blickt nicht herein,
Blaue Blümelein,
Ihr macht meinem Schlöfer die Tröume so schwer.
Hinweg, hinweg
Von dem Mühlensteg,
Bäses Mögdelein, dass ihn dein Schatten nicht weckt!
Wirf mir herein
Dein Tüchlein fein,
Dass ich die Augen ihm halte bedeckt.

Gute Nacht, gute Nacht!
Bis alles wacht.
Schlaf’ aus deine Freude, schlaf’ aus dein Lied!
Der Vollmond steigt,
Der Nebel weicht,
Und der Himmel, da oben, wie ist er so weit!

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